Tag 1
Bei schönstem Wetter machten wir uns, vorläufig zu 6, auf den langen Anfahrtsweg auf den
Glacier 3000. Die Aussichten auf die 3 Tage sahen eigentlich sehr vielversprechend aus, zudem gab es am Wochenende davor noch reichlich Schnee. Allerdings war da der bekannte Mittwoch dazwischen (Gondelunglück am Titlis) mit so unglaublich starken Sturmböen, die dem Schnee auch in unserer Region stark zugesetzt haben. Später noch mehr dazu. Aus dem Skigebiet heraus kurvten wir auf, noch recht ansehnlichem Schnee, Richtung Sanetschpass runter. Weiter über den zum Teil ausgeaperten Grat, Arete de l’Arpille, zum immer steiler werdenden Aufstieg auf den Arpelistock 3036m. Bei schönstem Wetter genossen wir das fantastische Panorama auf dem Gipfel.
Was danach kam, kann unter Spassfaktor 2-3 abgetan werden. Die Sturmböen vom vergangenen Mittwoch haben aus dem Furggetäli eine wirre Bruchharscht Landschaft vom übelsten gezimmert. Entsprechend waren wir alle heilfroh als wir, natürlich mit ein paar stürzen, gesund und verletzungsfrei in der Geltenhütte 2002m angekommen sind.
Tag 2
Nach einem stärkenden Frühstück macht sich unsere Gruppe von der Geltenhütte auf, um unsere Ski und uns selbst in Bewegung zu bringen. Ziel heute ist das 3065 Meter hohe Geltenhorn. Der Plan ist, das Geltenhorn zu überschreiten und durch das Südcouloir einige hundert Höhenmeter abzufahren, um dann via einen Aufstieg zur Gältelücke wieder zu unserer Hütte zurückzukehren. Für die Abfahrt durch das Südcouloir erhoffen wir uns bei Sonnenschein eine schöne Sulzabfahrt.
Nach einem noch recht fröstelnden Start können wir nach ca. einer Stunde eine kleine Brotzeit im wärmenden Sonnenlicht einnehmen. Was für eine Natur, was für ein herrliches Panorama! Da wir recht flott unterwegs sind und erst gegen 13.00 auf dem Gipfel sein wollen, haben wir gemütlich Zeit. Genügend Zeit, damit uns Stefan in die Kust der Spaltenbergung einweisen kann. Nachdem Schweizer Flaschenzug und Co. den Teilnehmenden vermittelt wurden, geht es weiter Richtung Gipfel. Leider entwickelt sich das Wetter nicht so, wie es uns die Wetterfrösche noch am Morgen weiss machen wollten. Es zieht zu, und das immer schneller und schneller. Als wir auf dem Gipfel ankommen ist dieser bereits wolkenverhangen. Wir wollen bei diesen Bedingungen kein unnötiges Risiko eingehen und beschliessen, auf die Abfahrt durch die Südflanke zu verzichten und über die Aufstiegsspur abzufahren. Das Resultat ist eine Abfahrt durch Bruchharsch, Triebschneeansammlungen und teilweise etwas Pulver. Wahrlich keine einfachen Bedingungen. Aber es gibt eben keinen schlechten Schnee sondern nur schlechte Skitechnik. Nach der etwas ruppigen Abfahrt, die von zahlreichen Stürzen und Hinfallern begleitet wird, kommen wir wohlbehalten an der Hütte an, wo Stefan mit uns auf dem Dachboden nochmals diverse Kniffe der Spaltenbergung vertieft.
Tag 3
Um 6:15 Uhr sitzt die siebenköpfige Gruppe bereits beim Frühstück. Über Nacht sind rund 20 cm Neuschnee gefallen – eigentlich beste Voraussetzungen. Doch plötzlich nimmt der Wind deutlich zu, sodass draussen der Schnee von den eingeschneiten Tischen regelrecht weggeblasen wird. Mit dem aktualisierten Lawinenbulletin (von 2= auf 3-) ist schnell klar: Das Wildhorn bleibt heute aussen vor.
Also wird nicht überstürzt gestartet, sondern erst einmal abgewartet, diskutiert und neu geplant – die Köpfe zusammengesteckt. Bald steht der Plan: Richtung Arpelistock, mit dem Plateau als Vorziel, wo Rottal und Furggetäli zusammenlaufen.
Als der Schneefall nachlässt, der Wind jedoch weiterhin kräftig bläst, geht es um 09:00 Uhr los. Der Aufstieg führt durchs Furgegtäli, im stellenweise 25–50 cm tiefen Neuschnee wird gespurt. Ein abfallendes Fell sorgt kurz für Aufregung, kann aber dank Bänder schnell wieder fixiert werden. Schritt für Schritt arbeitet sich die Gruppe vor – der Wind bleibt ein ständiger Begleiter.
Auf dem Plateau angekommen, wird die Situation erneut beurteilt. Die Lawinenlage bleibt aufgrund der starken Böen unberechenbar, weshalb der Entscheid fällt, die Felle abzuziehen und durchs Furggetäli zurück abzufahren. Unterhalb des Plateaus passiert es dann: Ein Teilnehmer verdreht sich unglücklich das Knie. Ausgerechnet im schönsten Schnee, als wir es richtig zu geniessen begannen. Die Gruppe reagiert ruhig und eingespielt – nicht zuletzt, weil am Vorabend genau das Thema „Alarmierung der Rega“ diskutiert wurde. Das Wissen wird direkt angewendet, die Rega gezielt alarmiert und der Verletzte rasch und professionell abgeholt und versorgt. Vielen Dank den super Rettungsorganisationen!
Nach dem ersten Schrecken geht es weiter – mit neuem Fokus. Ein erneuter Aufstieg Richtung Grossi Witi folgt, bevor die verdiente Abfahrt nach Lauenen wartet. Verdient ist sie auf jeden Fall – einfach aber nicht: Der wechselnde Schnee fordert volle Aufmerksamkeit und macht die Abfahrt nochmals richtig anspruchsvoll.
Am Ende erreicht die Gruppe hungrig, aber zufrieden Lauenen. Der Kiosk hat tatsächlich noch offen – perfektes Timing für einen kleinen Snack und ein alkoholfreies Bier.
Ein Tag und eine Tour, die einmal mehr zeigen: Gute Entscheidungen, Flexibilität und ein starkes Team machen den Unterschied.
Thomas, Karin, Dominic, Däni, Chrigu, Claus, Nicole, Stefan

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